Der Yorkshire Terrier

Geschichte

Wie jedes Märchen beginnt auch die Geschichte des Yorkshire-Terriers mit:

Es war einmal vor langer Zeit (im 18. Jahrhundert), daß aus Schottland und anderen englischen Grafschaften Arbeiter in die industriell aufstrebende Grafschaft Yorkshire umsiedelten um dort in den Fabriken und Minen zu arbeiten. Sie brachten ihre für die Ratten-, Dachs- und Hasenjagd abgerichtete Hunde ( u.a. Clydesdale, Paisley, Scotch und Maltese Terrier ) mit. Diese wurden in den Minen und Siedlungen der Arbeiter zu Bekämpfung der Rattenplage eingesetzt.
Wie bei vielen anderen Rassen fanden sich einige wenige Liebhaber der kleinen quirligen Hunde, die durch Kreuzung mit anderen Rassen (vermutlich auch Maltese Terrier) begannen bestimmte Eigenschaften der kleinen Terrier zu verstärken. Auch in der alten Literatur ist man sich uneinig welche damals bekannten Rassen, die teilweise mit den heute unter diesen Namen bekannten Rassen nichts gemein haben, gekreuzt wurden um den uns heute bekannten Yorkshire-Terrier herauszuzüchten. In vielen Quellen wird schon damals aufgrund der Fellstruktur eine Kreuzung mit Malteser vermutet. Da es aber schon Anfang des 20ten Jahrhunderts nicht möglich war den Ursprung nachzuvollziehen, wird es wohl immer ein Geheimnis bleiben wie der Yorkshire Terrier ursprünglich entstanden ist. Auch die heutigen Möglichkeiten mit DNA-Bestimmungen werden uns mangels Vergleichsmaterial aus der damaligen Zeit nicht weiterbringen.

Standard

1886 wurde in England ein Yorkshire Terrier Club gegründet, der die erste Beschreibung eines Yorkshire-Terriers festlegte. Diese Beschreibung des Yorkshire-Terriers ist weitestgehend Grundlage des heutigen Standards der FCI . In der folgenden Tabelle ist der heutige Standard der alten Beschreibung gegenübergestellt.

Standard von 1886


(entnommen aus "a manual of toy dogs" by Mrs. Leslie Williams)

Allgemeine Erscheinung
Ein langhaariger Hund mit gerade und gleichmäßig an beiden Seiten herunterhängendem Fell, von der Nase bis zum Rutenende gescheitelt. Das Tier soll gepflegt sein, eine lebhafte Gangart und eine Ausstrahlung von Wichtigkeit haben. Obwohl sein Körper fast vom Fellmantel verborgen ist soll sich ein starker gut proportionierter Körper andeuten.
Kopf
Der Kopf sollte eher klein und flach, nicht zu stark hervortretend oder rund am Schädel, eher breit an der Schnauze, mit schwarzer Nase sein. Das Haar an der Schnauze soll sehr lang mit prächtiger tiefer Bräune (tan), nicht rußigen oder grau sein. Unter dem Kinn hat er lange Haare von etwa der gleichen Farbe wie in der Mitte des Kopfes, eine helle goldene Bräune, die auf keinen Fall mit dunklen oder rußigen Haaren vermischt sein sollte. Die Haare an den Seiten des Kopfes sollten sehr lang sein und ein paar Nuancen tiefer tan als in der Mitte des Kopfes, insbesondere über den Ohrwurzeln.
Augen
Mittelgroß, dunkel in der Farbe, mit einem scharfen, intelligenten Ausdruck und mit Blick direkt nach vorne plaziert; sie sollten nicht vorstehen. Die Ränder der Augenlider sollten auch von dunkler Farbe sein.
Ohren
Beschnitten oder Unbeschnitten; wenn beschnitten dann ganz aufrecht stehend; wenn nicht beschnitten, klein V-förmig und halb-aufrecht stehend; bedeckt mit kurzen Haaren in einem tiefen, dunklen Braun (tan).
Schnauze
Gute gleichmäßige Schnauze, Zähne so gesund wie möglich. Ein Hund mit einem oder zwei durch Unfall verlorenen Zähnen ist nicht im Leisesten zu beanstanden, vorrausgesetzt die Kiefer sind gleichmäßig.
Köper
sehr kompakt, kräftige Lende, gerade Rückenlinie.
Fell
Die Haare so lang und gerade wie möglich (nicht gewellt) sollen glänzend und wie Seide (nicht wollig) sein. Die Farbe ist ein helles Stahlblau von der Rückseite des Kopfes bis an die Wurzel des Schwanzes; auf keinen Fall vermischt am wenigsten mit beige, hellen oder dunklen Haaren.
Beine
Ganz gerade,gut mit Haaren von einem hellen goldenen Braun (tan), ein paar Nuancen heller an den Enden als bei den Wurzeln, bedeckt.
Pfoten
So rund wie möglich, Krallen schwarz.
Rute
beschnitten (kupiert) auf mittlere Länge, mit viel Fell, dunkler in der Farbe Blau als der Rest des Körpers, vor allem am Ende des Schwanzes; ein wenig höher als das Niveau des Rückens getragen.
Gewicht
Aufgeteilt in zwei Klassen, nämlich : Unter 5 lbs (2,2 kg) und über 5 lbs, jedoch höchstens 12 lbs (5,4 kg).

FCI-Standard Nr. 86 - Stand 26.03.2009 / Modifiziert 10.11.2011/D


(siehe http://www.fci.be/de/nomenclature/YORKSHIRE-TERRIER-86.html)
Allgemeines Erscheinungsbild
Langhaarig, das Haar hängt glatt und gleichmäßig beiderseits herab, ein Scheitel reicht von der Nase bis zur Rutenspitze. Sehr kompakt und adrett, aufrecht in der Haltung und ein Fluidum von "Wichtigkeit" ausstrahlend. Wichtige Proportionen Die Konturen sollten einen kernigen und gut proportionierten Körper erkennen lassen.
Verhalten und Charakter (Wesen)
Reger und intelligenter Zwergterrier. Lebhaft bei ausgeglichenen Wesensanlagen.
Oberkopf
Ziemlich klein und flach, Schädel nicht auffallend oder zu gerundet.
Nasenschwamm
Schwarz.
Fang
Nicht zu lang.
Kiefer/Zähne
Perfektes, regelmäßiges und vollständiges Scherengebiß, wobei die obere Schneidezahnreihe ohne Zwischenraum über die untere greift und die Zähne senkrecht im Kiefer stehen.
Augen
Mittelgroß, dunkel, glänzend, mit wachsamem, intelligentem Ausdruck und so plaziert, dass sie geradeaus blicken und nicht hervorstehen, Augenlider dunkel.
Ohren
Klein, V-förmig, aufrecht getragen, nicht zu weit auseinanderstehend, mit kurzem Haar von satter, kräftiger Tan-Farbe bedeckt.
Hals
Von guter Länge.
Körper
Kompakt, ebener Rücken, Lenden gut durch Muskeln gestützt, Rippen mäßig gewölbt.
Rute
Früher üblicherweise kupiert
Kupiert: Von mittlerer Länge, reich mit Haar bewachsen, das dunkler blau ist als das restliche Körperhaar, insbesondere am Rutenende. Etwas oberhalb der Rückenlinie getragen.
Unkupiert: Reich mit Haar bewachsen, das dunkler blau ist als das restliche Körperhaar, insbesondere am Rutenende. Etwas oberhalb der Rückenlinie getragen. So gerade wie möglich. In ihrer Länge zur Harmonie der Gesamterscheinung beitragend.
Seit 1. Juni 1998 ist das Kupieren der Ruten in Deutschland nicht mehr erlaubt.
Vorderhand
Läufe gerade, gut mit Haar von sattem, goldenem Tan bedeckt, wobei die Haarspitzen etwas heller schattiert sind als die Haarwurzeln. An den Vorderläufen darf das Tan nicht höher als bis zu den Ellbogen reichen.
Schultern
Gut gelagert.
Hinterhand
Von hinten betrachtet sind die Läufe ganz gerade, gemäßigte Winkelung der Kniegelenke, gut mit Haar von sattem, goldenen Tan bedeckt, wobei die Haarspitzen etwas heller schattiert sind als an der Haarwurzel. Das Tan darf nicht höher als bis zu den Kniegelenken reichen.
Pfoten
Rund, schwarze Krallen.
Gangwerk
Frei und mit viel Schub, geradeaus gerichtete Bewegung in Vorder- und Hinterhand, bei ebener Rückenlinie.
Haarkleid
Körperhaar von mittlerer Länge, völlig gerade (nicht wellig), glänzend, von feiner, seidiger Textur, nicht wollig, darf niemals die Bewegung beeinträchtigen. Das herabhängende Haar am Kopf und Fang ("fall") ist lang, hat eine satte, goldene Tan-Farbe, dabei in der Farbe intensiver seitlich am Kopf, am Ohrenansatz und am Fang, wo es besonders lang sein sollte. Die Tan-Farbe am Kopf darf sich nicht in den Nacken ausbreiten, sie darf nicht rußig oder mit dunklem Haar vermischt sein.
Farbe
Dunkles Stahlblau (nicht Silberblau) erstreckt sich vom Hinterhauptbein bis zum Rutenansatz, keinesfalls vermischt mit falbfarbenem, broncefarbenem oder dunklem Haar. Das Haarkleid an der Brust hat ein volles, helles Tan. Alle tanfarbenen Haare sind an der Wurzel dunkler als in der Mitte und werden zur Spitze hin noch heller.
Gewicht
Gewicht bis 3,2 kg.
Rüden
müssen zwei offensichtlich normal entwickelte Hoden aufweisen, die sich vollständig im Hodensack befinden.

Farbe

Nach dem von der FCI festgelegtem Standard muß ein Yorkshire-Terrier eine dunkel stahlblaue Farbe haben. Trotzdem kommt es immer wieder vor das sogenannte Fehlfarben "silberblau", "silber", "black und tan"und "blau-weiß-gold" auftreten, die als "Fehler" angesehen werden. In Amerika werden diese "fehlfarbenen" Yorkshire als Parti-Yorki geführt.
In der alten Literatur ist auch oftmals die Rede von silbernen Yorkshire Terriern. Selbst 1919 berichtet Mrs. Williams in ihrem Buch "The Manual of Toy Dogs" auf Seite 39 von weißen und silbernen Yorkshire Terriern und auf Seite 97 wird auch für "Silver Yorkshire" ein Standard und die gemeinsame Bewertungsrichtlinie Yorkshire Terrier und Silver Yorkshire Terrier für Ausstellungen angegeben.

Ausstellungen

Das erste öffentliche Auftreten der Vorfahren des Yorkshire-Terriers fand bei Rattenkämpfen statt, in denen es darum ging in einer vorgegebenen Zeit möglichst viele Ratten zu erlegen.
Erst gegen 1860 wurden die Yorkshire Terrier auf Hundeschauen vorgeführt. Der bekannteste Yorkshire aus dieser Zeit ist 'Huddersfield Ben' (1865-1871) von Mrs. A. M. Forster. Er gewann viele hundert Preise so wie auch viele andere Yorkshire aus der Zucht von Mrs. Foster. (siehe: "Dog Shows and Doggy People" von 1902 ). Mrs. Foster ist bekannt dafür aus dem Yorkshire-Terrier einen perfekten Showhund gemacht zu haben.
In den Anfängen der Ausstellunggeschichte (1861) wurde der Yorkshire Terrier noch als "Scotch Terrier" oder "Blue Scotch" gerichtet. In der Folge (ca. ab 1874) wurde der Yorkshire Terrier in der Gruppe "Broken-haired Terrier" geführt. Schon ab 1877 wurden dann die Yorkshire Terrier als eigene Gruppe erwähnt.

Wenn man die alten Berichte über den Ablauf einer Ausstellung liest wird man feststellen das sich an der Prozedur, wie sie in der FCI (VDH) gehandhabt wird, in den letzten 100 Jahren nicht viel geändert hat: Noch immer geht der Aussteller mit einer Box und dem Yorki auf dem Arm in den Ausstellungsring; stellt dort in Reihe mit den anderen Ausstellern die Box ab und bringt seinen Yorki auf der Box in Position; der Richter guckt sich dann die Yorkies an und fordert den Aussteller auf seinen Yorki auf den Richtertisch in Position zu stellen um ihn sich genauer anzusehen; anschließend muß Aussteller dann mit dem Yorki im Ring einem Teppich auf und ab laufen und nach Aufforderung den Hund wieder auf seiner Box in Position bringen. Zum Vergleich müssen dann nochmals alle aus Sicht des Richters gleichwertigen Hunde im Kreis laufen um die endgültige Bewertung zu treffen.

Bei den meisten nicht der FCI angeschlossenen Rassehundevereinen ist üblich das die Aussteller mit ihrem Yorki an der Leine gemeinsam den Ring betreten und sich dort zusammen in Reihe aufstellen. Eine Box zum Präsentieren wird dort nicht benötigt und es ist auch nicht gefordert das der Yorki in einer bestimmten Position steht, d.h.er steht so natürlich wie immer. Ansonsten ist der Ablauf der gleiche.

Quellen / Literatur:


1872 - The Dog in Health and Diseas: by Stonehenge
1891 - The American Book of the Dog
1894 - The Terriers. A History And Description Of The Modern Dogs Of Great Britain And Ireland
1899 - Toy Dogs their Origin, different Breeds, how to select, breed, and manage them by John E. Diehl
1901 - All about Dogs - A Book for Doggy People
1903 - British Dogs: Their Points, Selection and Show Preparation
1910 - Dogs and all about them
1919 - The Manual of Toy Dogs and their Treatment by Mrs. Leslie Williams
2004 - BBC- Artikel: From Rat Catcher to Show Dog